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Zwischen Recht und Praxis : Die Auswirkungen einer strafrechtlichen Verurteilung wegen Totschlag auf die klinische und außerklinische Hebammenarbeit

Die erstmalige Verurteilung einer Hebamme wegen Totschlags stellt einen Präzedenzfall in der jüngeren deutschen Rechtsprechung dar und löste eine fachliche Kontroverse in der Berufsgruppe der Hebammen aus. Ziel dieser Untersuchung ist es, zu analysieren, wie sich dieses Urteil auf das berufliche Selbstverständnis, die Risikobewertung in der Geburtshilfe und das Sicherheitsempfinden von Hebammen im außerklinischen und klinischen Arbeitskontext ausgewirkt hat. Im Rahmen einer qualitativen Studie wurden leitfadengestützte Interviews mit Hebammen aus verschiedenen Arbeitskontexten und einem Fach-anwalt für Medizinrecht geführt. Die Daten wurden mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet, um zentrale Aussagen und Unterschiede in den Wahrnehmungen der Befragten herauszuarbeiten. Die Ergebnisse zeigen, dass das Urteil zu einer erhöhten Verunsicherung insbesondere im Bereich der außerklinischen Geburtshilfe geführt hat. Zwar konnte kein direkter Zusammenhang zwischen der Verurteilung und einem verstärkten Berufsausstieg festgestellt werden, jedoch berichten Hebammen von einer allgemeinen Verunsicherung und einer erhöhten Sensibilisierung für haftungsrechtliche Risiken. Die Untersuchung leistet einen Beitrag zur Diskussion um die rechtlichen und berufspolitischen Rahmenbedingungen der Hebammenarbeit und verdeutlicht den Bedarf an juristischen Leitfäden sowie einer stärkeren Unterstützung durch Berufsverbände, Politik und Kliniken als Vertragspartnern im Belegsystem.

Schlüsselwörter: klinische Geburtshilfe, Hausgeburtshilfe, Strafverfahren, Hebammen, Sicherheitsstrategien

The first-ever conviction of a midwife for manslaughter represents a precedent in recent German jurisprudence and has sparked a professional controversy within the midwifery community. The aim of this study is to analyze how this ruling has affected professional self-conception, risk assessment in obstetrics, and the perception of safety among midwives in both clinical and non-clinical settings. As part of a qualitative study, guided interviews were conducted with midwives from various professional backgrounds as well as a specialist lawyer in medical law. The data were analyzed using qualitative content analysis to identify key statements and differences in the respondents’ perceptions. The findings indicate that the ruling has led to increased uncertainty, particularly in the field of non-clinical midwifery. Although no direct correlation between the conviction and an increased dropout rate from the profession could be established, midwives report a growing awareness of legal liability risks. This study contributes to the ongoing discussion on the legal and professional framework of midwifery practice and highlights the need for legal guidelines as well as stronger support from professional associations, policymakers, and clinics as employers.

Keywords: Clinical obstetrics, home obstetrics, criminal proceedings, midwives, safety strategies

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